Dorothea Nennstiel-Deilmann in der Deutschen Nationalbibliothek







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Ihre Dorothea Nennstiel-Deilmann








 


S C H L E H N B A C S H A U S E N


GESEHEN   DURCH  DIE  NARRENBRILLE


Von  Dada


GEWIDMET   dem   KARNEVALVEREIN   UNTERBREIZBACH    KCU 62


von Arno und Dorothea Nennstiel


Z U M     7 5 .  J U B I L Ä U M       2 o 2 2


BÜTTEN   von   DOROTHEA   NENNSTIEL


Geliebte   Narren   ,   alt  und  jung  !

Ich bring Euch zur Erinnerung

ein kleines Zeugnis von uns Alten ,

als wir den Spiegel vorgehalten

den Narren einst ,  so wie Ihr  heute .

Auch wenn`s  bis heut nicht jeden freute .

Denn Schadenfreud` bleibt immer noch

die effektivste Freude  noch!

Drum wünschen  Euch  kritischen  Narrenblick ,

damit  einst  auch  Ihr  gern  denkt  daran  zurück,

daß  Ihr  manches verbessert mit  witz`gem  Radau ,

herzlich   Arno  und  Dada

mit     B U M M   und   H E L A U


SCHLEHNBACHHAUSEN

So  wurde Unterbreizbach von den umliegenden Dörfern betitelt, und seine

Bewohner  als Schlehnschnitzer  verspottet .  Aber da  jeder in der Rhön weiß ,

daß  Schlehensträucher nur dünne  und  besonders harte und spröde, obendrein

dornige  Zweige haben ,  also zum Schnitzen denkbar ungeeignet sind,  kann

man  über den Sinn der Namensgebung streiten : Sollte es die Unterstellung

sein, daß die Breizbacher aus Dummheit nichts zuwege brachten,  oder  doch

die versteckte Bewunderung,  daß sie selbst aus  Wertlosem etwas Brauchbares

herstellen  konnten ?


In dieses kleine Kalidörfchen  an der Grenze zu Hessen, nach drei Seiten von

Stacheldraht eingegrenzt , waren wir 1960  als  „Zugereiste“ gekommen und

hatten uns ,  Arno als leitender Arrzt der  Kali – Betriebsambulanz  mit

zusätzlicher Betreuung der etwa fünftausend  Einwohner von Unterbreizbach

und Pferdsdorf , und ich als  Deutsch-  und  Musiklehrerin  der  zehnten -  und

siebten  Klasse ,  recht gut in die Dorfgemeinschaft eingelebt

1 9 6 7   wurde  für uns  ein entscheidendes Jahr:  Ein zweiter Schacht  begann

zu fördern, für die Bevölkerung wurde eine eigene Einrichtung,  eine Staatliche

Arztpraxis , erforderlich, und Arno hatte die Wahl, welche Einrichtung   er

übernehmen wolle.  Da wir aber seit Schulzeiten gerne zusammen arbeiten

wollten, war das die Gelegenheit, und wir wechselten beide,  trotz erheblicher

finanzieller Einbußen, unsre Arbeitsstellen .    Bürgermeister  Heinz  Welsch  

räumte für uns das Gemeindeamt,  und wir konnten  Praxis  und  Wohnung nach

unseren Wünschen und Bedürfnissen in diesem  Gebäude  einrichten .

Vom  ersten Januar 1967  bis  Ende  1989  konnten wir hier gemeinsam arbeiten.

Am Abend des  16.März 1967  ,  die neue Arztpraxis  im Dorf war inzwischen

bestens  angelaufen , kam Arno,  bei den Fußballern voll integriert, nach

Sprechstunde und  anschließendem Fußballtraining  recht spät , aber sehr

fröhlich nach Hause zurück und verkündete mir, daß er gerade  Mitglied

des KCU ,  des   neugegründeten  Karneval Clubs von Unterbreizbach

geworden sei.  Zwar hatte im Jahr zuvor  schon der unermüdliche Unterstützer

des Breizbacher Sports, der Bergbau-Ingenieur Ernst Geck, vergeblich versucht , die Karnevalbegeisterung in seiner Heimat Westfalen mit den Sportlern zusammen  auch  in Unterbreizbach  zu entfachen,  aber vier der aktivsten Fußballer  hatten diese Idee noch nicht aufgegeben,  und so gründeten sie am 24.Februar  mit  dreizehn Mitgliedrern den  K C U 67 .

Als Präsident hatte Walter Rosenau die Zügel ergriffen und der talentierte

Adolf  Heyer hatte die Aufgabe  übernommen, eine kleine männliche

Gesangsgruppe, die Hofsänger des Prinzenpaares , aufzubauen und  zu  leiten.

Als er Arno bat, die musikalische Begleitung zu übernehmen, sagte Arno sofort zu, in der sicheren Annahme, daß auch ich mich anschließen würde. Aber da ich gerade zur Vorsitzenden  des Kulturbundes  gewählt wurde und auch  im Rat der Gemeinde schon für die Kultur verantwortlich  war , kam mir das bei drei Kindern als  zu viel auf einmal vor , und ich wollte erst einmal abwarten.


Als ich Arno aber zur Generalprobe  für den  11.11.1967  ins  Kulturhaus

begleitete, war die Stimmung  dort ziemlich aufgebracht,weil im Dorf  heftig

ablehnend  über  Respektpersonen diskutiert  würde , die sich jetzt zum Narren

machen ließen. Nun  gab es für mich kein besseres Gegenargument, als doch

mitzumachen. So wurde ich an diesem Abend  mit noch sechs anderen,  davon

zwei Lehrern , auch  Karnevalistin .


Zu Hause machte ich dann noch gleich zur Melodie  des allen bekannten

Karnevalliedes „Heile , heile  Gänschen “  entsprechende  zwei Verse,  

auch die  bedauerlicherweise damals  in Unterbreizbach grassierende

Scheidungswelle  berührend,  und  übte  noch kurz  mit  Arno .

So brachten  wir beiden zum  Gründungsabend  des  KCU  unser Debüt  als

Musical-Duo ,  was wir dann noch einige Jahre  als „Alte Unterbreizbacher“

beibehielten.






Als Dame mit Herz: 1967





„    IN  HUNNERT  JAHRN  IS  ALLES  WEG  !!  “


Das Leben rinnt so schnell vorbei,

man hat es nur einmal !

Und trotzdem macht manch  Ehe  sich‘s

zur bittren Höllenqual .

Bedenkt, bei allen Streiterein hat nie nur einer Schuld !

Versuchts  nochmal ,  recht lieb zu sein ,

und habt etwas Geduld !

Denn ist es auch oft schwer zu zwein , -  -  -

viel schwerer ist es dann  ,  allein !

In  U.bach  gibt’s jetzt  Karneval !

Und  dort hat man entdeckt :

Das Narrenkleid verträgt sich nicht

mit Ansehn und Respekt !   

Es gab darüber leider schon

so manchen bösen Streit !           

doch lohnt sich‘s  nicht ,  sich bös zu sein ,

das regelt schon die Zeit !

In ein paar Jahrn wird’s  EHRE  sein .

beim   K C U   dabei  zu  sein !!



1                        A L S    A R Z T S E K R E T Ä R I N  1 9 6 8


KURORT   SCHLEENBACHSHAUSEN                           1





Nie werd ich die Schleenbachshäuser vergessen !?

Weil die so gerne Tabletten essen !!

Vorm Mittag, da kommt erst ein Pulver,  - zehn  Tropfen ,

dann zwei rote,   ein grünes ,   ein weißes zum Stopfen,

und eh man sichs  versehen hat,

da ist man schon vorm Essen satt ,

und denkt mit einem Lächeln zart :

Die Mahlzeit hätten wir gespart !

Die  S V K  ,  auf leisen Sohlen ,

die tut sich nun den Doktor holen ,

und sagt mit finsterem Gesicht:

„Herr Doktor,  nein,  so geht das nicht !!“

„Was sind das für Rezepte  heuer !?.  

Sie sind uns ganz entschieden zu teuer !!“

Der Doktor  ,  kleinlaut  -  doch  gescheit ,

sucht ein Rezept  für  Sparsamkeit ,

und grübelt emsig !     Nacht  und  Tag  !!

HIER   ist sein Verbesserungsvorschlag :

Jeder  Arzt  an jedem Ort                                                                                 2

schickt Patienten  zu  Kuren  fort .

Unser  Dok       tor  sagt jetzt : „Nein !  ,

das wird hier nicht  nötig sein .

Das , was bringt Gesundheit dir ,

ham wir doch alles selber hier !

Gar nicht weit , da macht man Wind ,

weil dort Solequellen sind.

Aber wer spricht mal von hier ??

Salzwasser ?  Das ha’m auch  wir !!

Nur , es tut sich nicht verbergen ,

es fließt munter von den Bergen !

Heute sollt ihr es erfahren ,

wie wir können Gelder sparen .

Drum  Narren ,  besteht drauf , und  machet nur

in Schlehnbachshausen  die  nächste  Kur!“


3


Bewegt man sich nur noch  mit  Ach und  mit Krach ,

dann fährt man zu Kneippkur nach  Stützerbach .

Dort wird mit Bewegung und Wasser bezweckt ,

daß  bald  schon Wein , Weib  und Gesang wieder schmeckt .

- Bewegung  und  Wasser -   wie  wunderbar ,

das  ist doch in Schlehnbach  auch nicht  rar !

WIR   wohnen . höchst vornehm , man hör‘ nur  und seh ,

an der prächtigen  Kornberg – Eichhörnchen – Allee .

Die Bewohner mit Auto , das ist gar zu dumm ,

die kommen zwar um das Vergnügen herum ,

doch zur Mittagszeit müßt ihr euch hinbemühn ,

wenn die Scharen  dort zum Essen  ziehn :

Da springt man gar munter von Fleckchen  zu Fleckchen ,

mal  auf ein Zweiglein, mal in ein Dreckchen ,

und springt man daneben , ist’s  keine  Blamage , -

da  gibt’s  gleich  dazu Unterwasser – Massage !

Die Asphaltpromenade  fängt  hinten erst an ,

da stehen ja auch keine Häuser mehr dran !

Dieses  feucht-fröhl’che  Training ,  täglich hin und zurück ,

das ist doch ein wahrhaft  heilendes Glück !

Drum, Narren , besteht darauf , und machet nur

In Schleenbachshausen  die  nächste  Kur !

Ist’s  mit dem  Nachwuchs  Essig  und Kuchen , 


4


da  kann mans  ja  mal  mit  Bad Elster versuchen .

Da wird man dann ins Moor getunkt ,

und hofft jetzt , daß es endlich  funkt !

Zehn Wochen muß man das mindestens  treiben !

Der Gatterich muß  brav zu Hause  bleiben ,

und siehe , oh Wunder, im neunten Mond,

wird die  Kur  manchmal mit nem  Baby  belohnt

ein Baby , nicht grade vom heiligen Geist ,

doch juckt dich ja nichts , von was du  nichts  weißt !

Hoch lebe der Matsch und  hoch lebe das Moor ,

so singen nun beide  in glücklichem Chor .

Doch keiner wird behaupten doch ,

wir hätten hier kein schlamm’ges  Loch  !

Kommt nur ein kleiner feuchter Schauer ,

dann sind sie da , und  zwar von Dauer .

Auch grub man, umsonst ganz  , am Feuerwehrhaus

in vielen Stunden  ein Grüblein  aus ,

das wieder nun gefüllt  mit  Dreck.

Da kriegt das Ding doch auch nen Zweck!

Drum Mut ,  hinein !  Ob in der Räs ,

am Bahnhof ,  oder wo der Käs .

hinein  nur ,  ohne Rock und Kleid ,

der  Teure steht mit Tuch bereit


5


und trägt dich, liebevoll und warm

ins  Bad und  Bett mit starkem Arm .

Auch  DIE  Methode   Erfolg verspricht,

drum , liebe Narren , säumet nicht ,

besteht darauf , und machet nur

in Schlehnbachshausen  die nächste  Kur!

Gibt’s  noch was , wo ihr gern wollt hin ?


6


Vielleicht ins Seebad ,  nach  Bansin ?

Um dort dem nervenberuhigenden  Rauschen

In stiller  Andacht abends zu lauschen ?

Da könnt es am Nacktbadestrand geschehn ,

falls  Sie  mit nem  Stottrer  zum Sonnuntergang  gehn ,

daß der stottert  mit vorgehaltener Hand :

„Ach  wi-  wi-  wi- wirklich   im-  im-  po-  po-  sant !“

Die Antwort darauf  ,  kann gut ich verstehn :

„Das tut mir sehr leid , -  ach , wie unangenehm !“

Doch das Rauschen , das brauchen Sie hier nicht zu missen :

Zum Wochenende , in Ihren Kissen  

da werden Sie plötzlich sanft geweckt.

Ach nein , kein Mensch , der Sie erschreckt .

Die Kessel vom Werk rauschen in die Welt ,

jetzt kein Wort  Ihnen mehr auf die Nerven fällt.

Selbst Ihr Ehegespons könnt jetzt  schimpfen und keifen,

Sie brauchten sich nicht an die Ohren zu greifen ,

denn  ob Schimpfen , oder lautes  Schrein  , -

da geht nichts als Rauschen ,  nur  Rauschen  hinein !

Und beruhigt sich der Kessel nach Stunden  erst wieder ,

dann sinken Sie froh in die Kissen nieder ,

und  man mag nicht mehr sagen auch nur ein böses  Wort ,

man  freut sich nur über die Ruhe im Ort !

Drum  besteht darauf und machet nur,   in Schlehnbachshausen die nächste Kur !


Auch Luftkurorte  gibt’s in Massen  !


7


Doch auch hier wird sich was machen lassen .

Wenn auch der Dreck hier aus den Schornsteinen rieselt

und  dann langsam und stetig nach unten  nieselt ,

ist die Luft doch sonst herrlich , mit allerlei  Düften ,

so recht , um die Lungen  mal durchzulüften ,

zumal der Wind ,   mal von  West , Süd , Ost , Nord ,

für eine gerechte Verteilung sorgt .       

Und – falls Sie  das  Baudenleben  besticht ,

- nur bei Kerzenschein , und ganz ohne Licht ,

ohne  nerventötendes  Fernseh- Dröhnen ,   -

auch damit könn‘  wi r  Sie  bestens  verwöhnen !

Denn kaum tönt ein Dönnerchen ,  oder ein Windchen ,  -

zack – zack  ,  schon sitzt du im  Dunklen, mein Kindchen !

„Warum nur bei uns ??“  -   hat  hier jemand  gebrüllt  , -

Weil wir ha’m  unser  Nachwuchs–Soll   noch nicht  erfüllt  !!

Ihr seht,  wir haben auch bereit

für Euch  viele Stunden  in  Traulichkeit  ,

drum  rat‘  ich euch dringend  ,  daß  ihr  machet  jetzt nur ,

in Schehnbachshausen  die  nächste  Kur  !


8


Doch ich seh’s  euch  schon  an ,

eins fehlt  euch   jetzt  nur  , -

na  klar ! ,  der beliebte  Schatten  zur  Kur ! ,

mit dem man dann durch die Gegend scharwenzelt ,

und ihn fast wie siebzehnjährig  umtänzelt .

Doch muß  so’n  Schatten denn  wirklich sein ?

Ich glaub , da gilt ein  glattes  „ N E I N“  !

Nach kurzem , zweifelhaften  Glück

bleibt  nur  ein  fader  Geschmack  zurück ,

und nach wenigen  schönen  Augenblicken

bleibt  jahrelanges  Magendrücken . –

Drum zeigt doch mal hier eure  Frühlingsgefühle ,

und  macht  ruhig  zu Hause  mal  Schattenspiele !

Das  bringt  Harmonie  im  ganzen  Haus  ,

und  ihr  schmeißt  Glück und Geld  nicht  zum  Fenster  hinaus !!   

So wünsch‘  ich  zur  Kur  euch  jetzt  ganz , ganz viel  Glück ,

weil  ich weiß ,  ihr kommt  ja  bestimmt auch  zurück !

denn fest steht endgültig ,  die nächste  Kur ,

die  macht ihr in Schlehnbachshausen  nur !!



DIE   CHRISTEL   VON   DER   POST       1973     




 

Ich bin die Christel  von der Post !  

Daß ihr mit nicht darüber lacht !

Weil‘s   Postauto jetzt nämlich Pflicht ist ,

hab‘ ich den Führerschein gemacht .

Die lieben  Herren Postkollegen

Die war*n natürlich strikt dagegen,

denn wenn  drin säß ne Frau am Steuer

wär’s  beste  Auto nicht  geheuer .

Am schlimmsten war mein eigner Mann !

Der rief die  „Weißen Mäuse“  an ,

daß man es bitte nicht versäume

zu  pflanzen vorher Gummibäume .

Doch schaut , jetzt fahr ich , flott und stolz ,  - - -

auch  wenn die Bäume  sind  aus  Holz !!

Und  heut*, nach dieser Fahrt, ist Schluß ,

weil ich in Rente gehen muß .

Nur grade heut‘  hab‘  ich , oh  weh

ne Sendung  an die  L P G  !

Mit Adlers, Führers, Pforrs,  oh Graus

da kennt sich doch kein Schwein hier aus !

Drum fragt ich ganz bescheiden an

ob mir’s  mal einer zeigen kann,

„Na klar! ,  rief’s  ringsum hilfsbeflissen ,

„in fünf Minuten  wer’nses  wissen!“

„Im Dorf ,  fast in der Mitte,  ganz

da vorne links , isr Dommes Hans .“

„Bachgasse  durch !“ -  rief einer forsch ,

am  Ende  links  -  Fritzhense  Schorsch .“

„ Der Brief hier gleich zu Baste müßt ,

und dieser da für Tambursch  ist .

Nicht weit mehr ists dann zu  Dinnliese ,

und  der hier  kommt gleich zu  Lowiese .

Auch den dahinten  kenn’se  :

Bornecke links ,  Dickhänse .

Aha ,  der muß zu  Biele  rin ,

wir  müssen nun  zur Kirche hin :

Der – zu  Miepetersch , gleich am Eck ,

Friewellersch, noch ein Stückchen weg,

dann , quer den Weg hinunter

da kommt zu  Trunks   man  runter .

Da steh ich nun , ich armer Tor ,

und bin noch dümmer + als zuvor!

Jetzt  hab‘ ichs  satt , solls Zeug heut‘  ruhn !

Mein Nachfolger  kann auch was tun !

Falls jemand von der  LPG  hier ist  -

dann heute gleich Bescheid ihr wißt ,

ihr kriegt  die Post erst morgen  früh !

Und habt ihr Pech , kriegt ihr sie nie !!

Ich setz mich jetzt ins Auto rin ,

und fahr erst mal zu Hennersch  hin !

Denn  wo der  „ Stern „   ist ,  das  weiß ich  genau!

Doch das ist nur Zufall !!   ---    Bum , bum , und  Helau  !


MEIN   GROßER   HUND        1961    für  Christiane







1.

Tip  tip  tap ,   tip  tip  tap ,

heut ‘  geh  allein  ich  aus .

Tip  tip  tap  ,   tip  tip  tapp ,

da  mach ich mir nichts  draus !

Da brauch die Mama  garnicht mit , -

mein Hündchen folgt auf  Schritt und Tritt !

2.

Tip  tip  tap ,  tip  tip  tap  ,

wär ich doch endlich groß  !

Tip  tip  tap  ,   tip  tip  tap  ,

das  wäre ganz famos  .

da ging ich aus im Mondenschein ,

doch könnt ihr ganz beruhigt sein                            

REFRAIN  :    Mein großer Hund der macht  Wau – wau ,

und geht mit mir spazieren .

Denn macht mein großer Hund   Wau – wau ,

da kann mir nichts passieren !

Und auch der Papa brauch nicht mit !

Mein Hündchen folgt auf Schritt und Tritt !  -

Und kommt ein großer Onkel an :

„Häi“  -  Kleene , een  Moment  !“

Da macht mein großer Hund   Wau-wau  !

Was meint ihr ,  wie der  rennt !!


1

DIE  LIEBENDE  MUTTER               1969   




                        

Vor etlichen Jahren, im wonnigen Mai ,

da war ich noch jung ,  da war ich noch frei ,

und ihr wißt ja alle ,  daß sowas es gibt ,

da war ich so richtig von Herzen verliebt !

Mein Arno war damals ein schlanker Galan ,

und schaute mich heiß wie ein Schmelzofen an ,

und er wisperte leise: „Willst meine du werden?“

Und ich wisperte widder : „Nichts  Schön’res auf Erden !

Doch drei Kinnerche  mind’stens ,  das mußte mir schwörn !

Ach  Guttche ,  ich hab‘  doch die Kinner so gern !


2


Nun hab ich die drei  -  das könnt ihr mir glauben :

Das sehen die Blinden , und das hören die Tauben !

Ist mal Ruhe bei uns , dann kann man wetten ,

da liegen se schlafend in ihren Betten ,

so ruhig und friedlich wie Engelein .

Da habense fast einen Heiligenschein .

Doch öffnet die erste die Augen bloß –

au – weih , schon ist der Teufel los !

Da zanken und zerrn sie ohn Unterlaß ,

und jede will grad von der anderen was :

Die Große  liebt plötzlich das Püppchen der Kleinen .

Die Kleine tut um nen Zirkel weinen ,

die Mittlere will beides gleich ,

dann schlagen sie sich windelweich ,

und sind sie zerzaust dann ,  wie die Raben  -

dann liegts in der Ecke ,  -  und keiner wills haben  !!

So geht das von morgens bis in die Nacht!

Und hab ich sie endlich zu Bette gebracht ,

dann muß die eine nochmal aufs  W C ,

der andren tut plötzlich die Nase so weh ,

und die Dritte möcht sehen  noch erst einen Stern  -

ach Guttje ,  wie hab ich die Kinner so gern !


3


Wohl dem, der zu Hause hat

eine Wanne für ein Bad .

Wenn die Kinder abends speckig ,

und von Kopf bis Füßen dreckig ,

rin gleich in den warmen Zauber –

eins, zwei. drei,--- schon sind se sauber !

In der Küche kann indessen

richten ich das Abendessen .

Heute kann ich’s  ungestört ,

nicht den kleinsten Muks man hört .

Bis die Ruhe gar zu lange .

Soviel Bravheit macht mich bange .

Voller Ahnung frag ich bloß :

Was ist denn da drüben los?

Ach , was seh ich ? Welcher Graus !

Fall bald rückwärts wieder raus :

In der Wanne , rot wie Feuer ,

sitzen kleine Ungeheuer !

Ham den Lippenstift erwischt ,

und die Farben aufgefrischt .

Auch  die Wanne ist lackiert ,

alles , alles rotgeschmiert !

„ Mami“ ,  ruft’s ,  „ wir wolln’s  doch auch  lern’n !“

Ach Gutt’je  ,  wie hab ich die Kinner so gern !


4


Mittag ,  Halbzeit ,  ist es jetzt ,                                                                                        

und alle ham sich hingesetzt ,

etwas ermattet , mit knurrendem Magen .

Sogar die Töchter kaum was sagen .

Doch als auf den Tisch dann das Essen kummt ,

ist auch das letzte Gespräch verstummt ,

man greift zum Löffel voll Behagen ,

um sich genüßlich vollzuschlagen .

Doch wie ich so in die Stille lausche ,

da ist mir’s doch so , als ob da was rausche ? –

Schnell schau ich in den Flur mal rin  -

da steh ich schon im Wasser drin .

Ich flitz ins Bad  -  der Hahn weit offen ,

der Stöpsel  zu ,  -   jetzt kanns ja loffen ,

und unsre Kleinste fröhlich quiekt :

„Habs doch nich mehr zugekriegt !“

Alles rennet , scheuert , wischt ,

rettet , was zu retten  ischt ,

da kommt auch schon  wer in schnellem Lauf

aus der Wohnung von unten die Treppe rauf ,

und laut wird an die Tür  gedunnert :

„Bei uns unten regnets ,  das hat uns gewunnert  !?

Ansonsten wollte ich weiter nicht störn .“

Ach Guttje ,  was hab ich die Kinner so gern!


5


Saure Wochen , frohe Feste ,

gerne hat man  auch mal Gäste !

Fröhlich sitzt man in der Runde ,

es vergehet Stund um Stunde ,

eh man merkt , wie es geschah –

plötzlich ist der Morgen  da  -  ,

und ein wenig ramponiert

wird nun schnell ins Bett marschiert .

Sonntag  ists  ja ,  man kann schlafen

tief und fest ,  den Schlaf der Braven !

Solches wollte ich versuchen  .

Pustekuchen ,  Pustekuchen  !

Sieben Uhr !  Der erste Puff :

„Mami , komm doch , steh doch uff !“

Gleich drauf folgt die nächste sacht :

„Mami  , s’ist  kein Brot gemacht !“

Und die Dritte küßt mich schlau :

„ Mami , mach uns doch Kakao !“

Doch mit steinernem Gesicht

tu ich so ,  als hört‘  ichs  nicht .

Ahnt ihr , wie die Drei  nun plärr’n  ??

Ach Guttche , wie hab ich die Kinnerche gern !

Wie herrlich , wie herrlich,  ist’s endlich soweit  ,


                                               6.


und’s  beginnt die schöne  Ferienzeit !

Vergessen  sind des Jahres Placken ,

und fröhlich geht’s ans  Kofferpacken .

Nur etwas macht noch Kummerfalten :

Wie wer’n  die Töchter sich verhalten ?

Am besten Aufbruch früh am Morgen , -

da  ham’wer  noch die kleinsten Sorgen !  

Wir gingen aus von dem Gedanken –

da  sind’se  noch zu müd‘  zum Zanken .

Für jedes Kind  drum ,  akkurat ,

die Reisekleidung  liegt parat .

Was schmutzig ,  schnell gewaschen noch !

Zur Heimkehr will man’s  sauber doch !

Ich wasch’s  in der Küche ,  und bring es danne

zum Spülen  in die  Badewanne .

Und wie ich so rubbel , und reibe  da ,

und  achte  nicht auf  Klein-Antonia  .

da seh‘  ich noch grad‘ ,  wie sie rennet  los ,

mit  der  Reisekleidung  !   Dem letzten Stoß !

Und wie ich noch rufe :“Wo willst’e  denn hin?“

„Ich helf  dir ,,,ich schmeiß‘  in die Wanne  rin!“  ,

und eh‘  ich noch dazu gekommen ,

da  hat schon das Letzte  im Wasser geschwommen  !!

„Ich  kann’s  schon !“, tat’se mir munter erklärn .  Ach Guttche,wie hab ich - - -


7


Wie es sich so denken läßt ,

einmal kommt  das Weihnachtsfest .

In dem Ställchen sitzt die Kleine ,

Mama  macht inzwischen  Reine ,

bis es blitzt in jedem Raum ,

fertig für den Weihnachtsbaum !

Zucker , Butter , Milch  und  Eier ,

brauch‘  man auch zur Wihnachtsfeier .

Von  ‚ner  Tüte Mehl , den  Rest ,

auf dem Tisch  sie  stehen läßt ,

denn sie mu8 fix nochmal laufen ,

gegenüber  was zu kaufen .

Schnell zurück kommt sie nach Haus  ,

doch , wie sieht das Zimmer aus  !?

Die Mehltüte hat unser Hund

ganz vorsichtig  mit seinem Mund

ins  Ställchen  unsrem  Kind gebracht .

Das hat vor Freude  laut gelacht ,

läßt’s  schneien ,  bis die  Tüte  leer ,

S‘  Hündchen springt lustig  drin umher  !

Na , frohes Fest  nun  ,  so klingt  mir’s  von Fern  !

Ach Guttche ,  wie hab ich die Kinner  so gern!


8


Doch jedesmal , gabs   so’nen  dollen  Streich

Dann wird  mirs hier drin so ein kleinwenig  weich ,

und ich denke mir  da so ganz heimlich im Stillen  :

Sie tatens  ja nicht aus bösem  Willen ,

sie tatens  aus Freude  am  Kindersein  .

- Wie gern wär ich selber  doch auch nochmal  klein !  

Und ich kann meine Rührung  nicht ganz verbergen :

Fehlte mir jemals nur eins  von den Zwergen  -

Das wäre mein größtes Leid  :  kann ich schwörn  !

Ach Guttche,  ich hab  d o c h  die Kinner  so  gern !!


1


DIE   LIEBE  ,  ALTE   GROßMAMA        1986





Vor  Jahren ,  als wir  hier begonnen ,

bin ich als Mutter  hergekommen ,     

und  ließ hier meine  Seufzer  hör‘n :

„Ach Guttche ,  wie hab ich die Kinner  so  gern !“

Inzwischen sind sie ausgeflogen ,

komm’n  mit Verstärkung heimgezogen .

Sind alle da zu Wochenende ,

werden zu eng fast Tisch und  Wände !

Stets freudig ist das Wiedersehn –

zu Hause  war’s  und  ist’s   halt schön !

Doch heute ruft’s  :“Da ist sie ja ,

unsre liebe Großmama .

Wenn  abends die Kinder mal Lust verspüren ,







                                       2


sich unbeschwert zu amüsieren ,

sich frohgemut im Tanz zu drehn ,

so ganz gepflegt mal auszugehn ,

bis ganz zum Schluß !  Es soll sich lohnen !

Dann gibt’s garkeine Diskussionen :

Die Enkel werden unterdessen

versorgt mit Trinken und mit Essen ,

gewaschen ,  sauber und adrett ,

so liegen pünktlich sie im Bett .

Wird mal eins  wach   das kann ja sein - ,

sind sie zu Hause nicht allein ,

denn Gott sei Dank ,  sie ist ja da :

Die gute ,  alte Großmama !

Wie gerne sind die Enkel  da ,






3


Bei Großmama  ,  das weiß  man  ja  !

Die ersten Schrittchen ,-  backe  Kuchen ,  -

mal naschen ,  Kuchenteig  versuchen  !

Von wieviel Märchen und Geschichten

kann sie dem kleinen Volk  berichten !

Auch viele , alte Kinderlieder

singt  sie den Kleinen immer wieder .

Selbst  Rollerfahr‘n  und  Fußballspielen ,

mit einem Ball ins Tor zu zielen !

Und gibt’s  mal  Schrammen , fließt mal Blut :

Wenn Oma  streichelt,  wird’s  bald  gut .

Ein Stück Schoklade  macht zum Teil

den größten Schaden wieder heil !

Das weiß zum großen Glücke ja

die gute ,  alte  Großmama  !

s

Gibt’s auch mal Qualm in jeder Küche  -


4


manch Ehe geht auch in die Brüche .

Das warme Nest  wird plötzlich frostig ,

die Umgangsformen rauh  und  rostig .

Das Kind steht ratlos in der Scherben ,

es ist ihm Angst und Weh zum Sterben .

Doch eine Zuflucht ist noch da:

Die gute , alte  Großmama .  –

Ach,  laßt den Kindern Nest und Wärme !

Das Glück, -  es liegt nicht in der Ferne !

Lernt es ,  den andern zu verstehn ,

und Fehlern auch mal nachzusehn .

Die Hochzeit ist ein Anfang bloß .

Das Glück fällt keinem in den Schoß!

Man muß sich drehen ,  strecken ,  winden ,

um  e i n e n  Nenner dann zu finden .

Drum laßt die Saat  geduldig  reifen !

Gemeinsam kann man Sterne greifen !

Und braucht ihr Rat  -  ist immer da

die  gute  alte  Großmama  !!

s

Gibt  es auch Qualm  in jeder Küche  -                                       4

Wenn abends die Kinder mal Lust verspüren                                      2




D I E   J A H R E S Z E I T E N                                              1

E I N E R   E H E






Frühling ,  Sommer ,  Herbst  und  Winter  einer Ehe  ,

beschrieben und gesungen  nach der Bänkel – Melodie des Mecky  Messer

aus  Bert Brechts Dreigroschen-Oper von Kurt Weill ,

( -  und  der  Haifisch  ,  der hat  Zähne  --  )  

aufgeführt zum Damen - Galaabend  des KCU   1971

von Arno und Dorothea Nennstiel .

F r ü h l i n g

Song :                      Narren , höret nun und sehet

in der Jahreszeiten  Lauf

wie’s  in einer Ehe gehet :

Einmal runter , einmal rauf !

Nach der Hochzeit . welche Wonne ,

der Gefühle  Frühling  blüht !                        

Warm scheint da die Ehesonne ,

wie  man dieses gleich hier sieht !

Er , im Bademantel , deckt gerade den Frühstückstisch ,                

Sie kommt im Nachthemd  herein :

E R                                                  S I E                             2

Guten Morgen , mein Süßes ,

du bist ja schon wach!?     

Guten Morgen , oh , was ist das

heut‘  fürn  wunderschöner Tag  !!

Komm, Kleines , ich hab‘ uns

den  Tisch schon  gedeckt ,

und hoffe doch stark ,

daß mein Kaffee dir schmeckt !

Ohje , so  ein  Pech ,

das  tat mir mißlingen !

den wollte ich dir doch

ans Bett heute  bringen !

Komm , setz dich schon hin.

Ich gieß uns gleich ein ,

Ach Liebster, wie herrlich                                                         

ist das Leben zu zwein !!            

Moment nur mal fix ,

ich zieh mir was an .

ich bin ganz schnell fertig ,

dann fangen wir an !

Um Himmelswillen ! So bist du grad schön !!

Heut Nacht hab‘ ich das sowieso  nicht richtig gesehn !

(Setzen sich an den Kaffeetisch , sehnsüchtige Blicke  -  )

Das Rosa , das steht dir ! -  Komm her , meine Kleine

(Er zieht sie an sich  -  sie sträubt sich scherzhaft )

Nicht ???   Sei schön lieb !   Wir sind doch alleine !

Komm, guck nicht so  -  siehst du ,  nu lach‘ auch mal nett !

Na  endlich ! -   Ach  komm ,  wir gehen nochmal ins Bett !!

( -Abgang - )

S o m m e r             ( Nach 10 Jahren)               3                           

Seht ,  im Sommer wird es schwüle ,   

es gewittert laut und grell .

Nach Gewitter  wird es  kühle ,

und das Unkraut  wuchert  schnell .

(Sie deckt im Bademantel den Tisch , er kommt in Unterhemd  und  

Unterhose  herein )

Er :                                                    Sie :

Moin

Moin !

(Er putzt sich ungeniert laut die Zähne , sie deckt weiter , ebenso laut

hustend ,  teilnahmslos den Tisch .  Beide setzen sich , er fängt lässig  

an zu essen , holt sich die Zeitung und liest dabei . Gereizt  stellt sie

nun das Radio recht laut an.  Nach kurzer Zeit schlägt er mit der Faust

auf den Tisch :

Zum Donnerwetter, das Ding bleibt jetzt still!!

Ist das zuviel verlangt , wenn man in Ruhe

frühstücken  will ??  

Grad du regst dich auf ?

Das ist ja zum Lachen!

D U  grade willst mir Vorschriften machen?

Hockst hinter der Zeitung

wie’n   Ochs  hinterm Tor ,

und mir wirfst du dann das Radio vor ?!

Mensch , denkst du , dein Anblick wär etwa erlabend                    

mit den Dingern (Lockenwickeln) dadrinne

seit gestern Abend ??

Das wundert dich wohl ??

Das ist doch horrend !!                 

DU !! , in Unterhose und Unterhemd !!

(Er steht auf , zieht sich fertig an , versöhnlicher :)

Na, laß es mal gut sein !     -  Ich muß sofort gehn ,

bis  heute  Abend  !  Auf Wiedersehn  !

(Flüchtiger Abschiedskuß beiderseits)

H e r b s t          (Nach 20 Jahren)                       4

Kommt der Herbst mit Sturm und Regen ,     

bricht manch morscher Bau entzwei ,

hängt oft schief der Ehesegen ,            

doch auch die Zeit geht vorbei !

(Sie sitzt schon am gedeckten Tisch und wartet auf ihn , herausfordernd

mit den Fingern  auf den Tisch trommelnd.

Er kommt herein , ohne Notiz von ihr zunehmen , zieht den Mantel an

und den  Hut auf  und will wortlos gehen .

Er :                                                               Sie :

Das Frühstück ist fertig !                  

Du hast noch viel Zeit !

Hab‘ keinen Hunger - ,

hab‘ ne Sitzung heut ,

Tja, na klar , ich weiß schon ,

die Andre hat mehr zu geben !  

Aber DIE  wird auch mal älter ,

die hat auch nur  e i n  Leben !

Die nimmt dich Dussel sowieso nur aus ,

und schmeißt dich,

findt se nen Besseren,  raus .

Müßte  DIE mit Wirtschaftsgeld

mal reichen ,                                                   

müßt’se statt Schinken  auch  Marmelade

mal streichen !

Und  außerdem -  -  -  

( Er zuckt gleichgültig mit den Schultern  -  und geht .

W i n t e r           (Nach 47  Jahren)                                5

Und der Winter decket milde                   

Alles Rauhe ,  Schmutz’ge  zu .

Sorg‘ ,  daß warm  jetzt brennt dein Ofen ,

ohne  Wärm‘  erfrierest  du !

(Er sitzt mit Zigarre  am  Tisch ,  sie kommt  wacklig  herein )

Er ;                                                             Sie :

Das riecht ja so gut heut nach Bohnenkaffee?

Und heut ist doch kein Sonntag,

wenn recht ich’s  beseh‘  !?

Moment  , -  wir haben jetzt  Februar ,

der 5.? - nein sechste !Ach,jetzt wird mirs klar

Unser Hochzeitstag ! Nicht zu verzeihn !!

Weißt  du  noch ,  früher  ?

Da fiel dir’s immer nicht ein!

( Er holt hinterm Stuhl einen Blumenstrauß und steht auf )

Ja, ja,  meine  Olle ,  komm,  laß dich mal drücken ,

hat man schon  soviele Jährchen wie  wir auf dem Rücken ,

und fast fuffzig  Jahre zusammen Salz und Zucker gegessen ,

dann kann man getrost auch mal etwas vergessen !

Ja , fast fünfzig Jahre !   Wo sind die nur hin ?

Weißt du noch ,

wie ich auf dem Altar gestolpert  bin ,

und die Leut‘ sagten gleich :                                                                   

Die blei’m  nicht  zusamm !

Und welch Glück , daß wir Alten uns doch noch ham !!.

Wie geht dir’s  denn heute, was macht denn dein Rücken?

Ach, es geht so , ich kann mich halt

bloß so schlecht  bücken !

Dafür zieht es heute bis runter ins Bein!

Na , dann komm ,  altes Haus ,

ich reib‘  dich  erst  ein

6

Ja, so ist’s nun mal im Leben ,

ew’gen  Frühling gibt es nicht  !

Drum beherzigt ,  liebe  Narren ,

die Moral  von der Geschicht .

Glaubt ,  ihr Leute ,  es ist bitter ,

ist im Alter man  allein !

Ist auch Qualm  mal in der Küche  - - -

zieht nicht gleich ins  Ledigen – Heim  !!

 

 

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